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Rob Stijlen
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Home | Newsletter | UPDATE 2 | 2017 | “Fundierte Diagnosen durch Machine Learning” Marco Rogg im Interview
19. Juli 2017

“Fundierte Diagnosen durch Machine Learning” Marco Rogg im Interview

Als ARCONDIS Servicebereichsleiter für Life Science Information Management ist Marco Rogg für die Entwicklung des Bereichs insbesondere im Kontext der Digitalen Transformation verantwortlich. Er verfügt über 15 Jahre Beratungserfahrung und ist Experte für Digitale Transformation, IT-Strategien und Outsourcing mit umfassenden Kenntnissen der Life Sciences Branche.

Herr Rogg, wie schätzen Sie die Zukunft der Life Sciences Industrie im Information Management ein? Wo liegen Herausforderungen und Chancen?

Um innovative Geschäftsmodelle wie „Outcome-based Pricing” und neue Behandlungsmodelle wie „Personalized Healthcare” abzubilden, sind Daten die fundamentale Grundlage. Das Volumen an Daten nimmt exponentiell zu. Getrieben wird das insbesondere auch durch Rohdaten, sogenannte „high dimensional data”, die inner- und ausserhalb klinischer Studien erhoben werden, wie Omics-Daten, aber auch zusätzliche Biomarker und Real-World-Daten. Stehen diese Daten zentral zur Verfügung und können einfach genutzt werden, liefern sie wertvolle Einblicke, wie zum Beispiel im kommerziellen Bereich, um zu zeigen, wie Folgekosten reduziert werden können. Im Bereich klinischer Studien gewinnen Biomarker-Daten zunehmend an Bedeutung und werden mithilfe von Apps und Health Trackern durch Digital-Biomarker-Daten ergänzt.

Die Herausforderung liegt ganz klar darin, einen Überblick über diese Daten zu gewinnen und sie – unter Einhaltung regulatorischer Anforderungen – nutzbar zu machen. Regelmässig erleben wir bei Pharmaunternehmen eine komplexe Struktur der Daten, welche eine breite Nutzung behindert, um es diplomatisch auszudrücken. Dies schränkt die firmenübergreifende Nutzung ein beziehungsweise führt zu grossen Aufwänden und Zeitverlust. Für Unternehmen, die mit dem Datenwachstum umzugehen wissen und es schaffen, sie funktionsübergreifend zugreifbar und auswertbar zu machen, eröffnen sich neue Chancen. Gerade aufgrund der Prüfung der Kombinierbarkeit verschiedener Arzneimittel werden klinische Studien immer komplexer und die Rekrutierung einer ausreichenden Anzahl an Testpersonen – insbesondere bei seltenen Krankheiten – schwierig. Richtig aufbereitete Real- World-Daten können hier Abhilfe schaffen. Machine Learning Ansätze werden vermehrt auch eingesetzt, um Muster in diesen Daten zu erkennen und sie für Unternehmen weitergehend nutzbar zu machen. Wir sind heute an einem Wendepunkt: Künstliche Intelligenz schlägt die menschlichen Fähigkeiten im Bereich der Analyse solcher Daten zusehends.

 

Was dürfen Ihre Kunden im Bereich Life Science Information Management von Ihnen erwarten? Wo geht die Reise hin?

Wie bereits erwähnt, erleben wir in den Life Sciences eine Welle der Digitalisierung. Das bietet neue Möglichkeiten für Wachstum und die Einführung innovativer Leistungen, aber auch Herausforderungen: Neue Player wie Calico, von Google gegründet, treten von der IT-Seite her in den Markt und wollen mit traditionellen Life Sciences Unternehmen konkurrieren.

Unser Commitment ist es, das Thema „Digital” voranzutreiben und gezielt neue Leistungen zu entwickeln. Bereits heute arbeiten wir mit Kunden an Innovationsprojekten, wie beispielsweise neuen Preismodellen oder digitalen Biomarkern.

 

Fundierte Diagnosen durch Machine Learning - Interview Marco Rogg

Weshalb ist ARCONDIS für digitale Themen der richtige Partner?

Das gelingt uns so gut, weil wir ein tiefes Life Sciences Branchen-Know-how und interdisziplinäres Verständnis mit informationstechnischer Expertise kombinieren. Konkret sieht das so aus, dass unsere Berater Fachexpertise bezüglich Forschung, Entwicklung und der Produktion in Life Sciences haben. Diese kombinieren wir mit IT-Kompetenz und Compliance-Wissen. Dazu bestehen individuelle Schwerpunkte. Wir stellen fest, dass es diese Mischung ist, die es für die erfolgreiche Digitalisierung unserer Kunden braucht. Mir ist es daher wichtig, dieses interdisziplinäre Verständnis weiterhin zu fördern und zu vertiefen. Es zeichnet ARCONDIS aus und ist Ausdruck unserer Stärke.

 

Fundierte Diagnosen durch Machine Learning - Interview Marco Rogg

 

Sie haben eben Innovationsprojekte genannt – wollen Sie uns einen tieferen Einblick gewähren?

Bei digitalen Biomarkern geht es in diesem konkreten Projekt um die Entwicklung von Apps und den Einsatz von Wearables zur Auswertung digital erfasster Daten über den Zustand eines Patienten im Verlauf einer klinischen Studie. Aktuell setzen wir solche Projekte mit unseren Kunden auf. Zudem treiben wir die Entwicklung eines Digitalen Operating Models für ein internationales Pharmaunternehmen voran. Wir haben dabei sowohl einen Servicekatalog für die Digitalen Services entwickelt als auch ein Betriebsmodell, welches die für Innovation notwendige Agilität sicherstellt.

 

Seien es Cloud-Plattformen, Internet of Things oder Real World Data – in der Life Sciences Industrie spielt bei all diesen Themen auch die Compliance immer eine wichtige Rolle. Oft herrscht Unsicherheit, wie sich die Digitale Transformation mit den regulatorischen Anforderungen vereinbaren lässt. Was empfehlen Sie Pharma- und Medizinproduktunternehmen?

Die zentrale Herausforderung in diesem Bereich ist häufig die Frage: Wie bekomme ich Digitale Innovation, die Agilität erfordert, und Compliance, die oft nach klassischem Wasserfallmodell arbeitet, unter einen Hut?

Agile Validierung kann hier Abhilfe schaffen. Wichtig ist aber vor allem, Compliance-Abteilungen frühzeitig in die Planung einzubeziehen, um relevante regulatorische Anforderungen von Beginn an im Blick zu haben. Hier kommt uns das breite Leistungsspektrum der ARCONDIS zugute. Jeder einzelne Berater weiss über die Compliance-Anforderungen Bescheid, das ist unser Alltag. Darüber hinaus haben wir bei ARCONDIS rund zwanzig Berater, die sich ausschliesslich auf die Compliance spezialisiert haben und dabei auch das Thema agile Validierung weiterentwickeln. Innovation und Compliance zusammenzuführen ist daher genau das, was wir können.

Für die Zukunft gehen wir davon aus, dass sich die regulatorischen Vorgaben stark verändern werden, um dem technischen Fortschritt gerecht zu werden – und sich damit neuen digitalen Geschäftsmodellen vollständig die Tür öffnet. Dieser Prozess hat bereits gestartet. Vor ein paar Jahren war beispielsweise die Nutzung von Fitnesstracker-Daten noch nicht vorstellbar. Heute gibt es, wie bereits erwähnt, Pilotprojekte, die die Erfassung und Auswertung dieser Messwerte, das heisst der digitalen Biomarker, für klinische Studien zum Inhalt haben.

Die Fortschritte in der Digitalisierung werden sich weiter beschleunigen und dadurch zu ganz neuen Fragestellungen führen. Für die nahe Zukunft ist es absehbar, dass solche Systeme die Ärzte massgeblich beim Stellen von zuverlässigeren Diagnosen unterstützen werden. Noch ist es beispielsweise für viele undenkbar, dass die Diagnostik eines Tages auch mittels künstlicher Intelligenz unterstützt und letztendlich sogar umfassend durch diese betrieben werden kann. Eine KI (Künstliche Intelligenz, Anm. d. Red.) kann auf umfangreichere Daten zurückgreifen und wird durch „ Machine Learning ” fundiertere Diagnosen stellen können. Dieser erhebliche Vorteil für die Patienten wird ebenso wie die Kostenexplosion im Gesundheitswesen den notwendigen Druck aufbauen, dass dieser Wandel vollzogen wird.

 

Zum Abschluss – ergänzen Sie den folgenden Satz: Kunden begeistern bedeutet für mich …

… antizipieren, was der Kunde braucht, um erfolgreich zu sein, ihm aber noch nicht bewusst ist – dadurch erreicht er seine persönlichen und die Unternehmensziele. Als Berater sehen wir viele komplexe Kundensituationen und verfügen über Erfahrung, diese zu erfassen und die richtigen Massnahmen zu empfehlen.


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