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Rob Stijlen
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Home | Newsletter | UPDATE 2 | 2017 | Digital Health World Congress 2017 – Von Science Fiction zur Realität
19. Juli 2017

Digital Health World Congress 2017 – Von Science Fiction zur Realität

Die diesjährige Digital Health World Conference in London zog erneut mehr als dreihundert Teilnehmer aus der gesamten Branche an – gut vertreten waren insbesondere Technologieanbieter und Life Sciences Unternehmen.

Über die beiden Konferenztage mit mehr als zwanzig Vorträgen hinweg kristallisierten sich folgende Entwicklungen heraus:

 

Trend 1: Daten sind die neue Währung der Healthcare-Branche

Schätzungen gehen davon aus, dass eine heute geborene Person im Laufe ihres Lebens durchschnittlich eine Million Gigabyte an gesundheitsrelevanten Daten produzieren wird. Das entspricht etwa dreihundert Millionen Büchern. Der technologische Fortschritt führt zu einer Explosion von Gesundheitsdaten, die verknüpft, verdichtet, validiert und – in diesem Punkt liegt die besondere Herausforderung – valide in Kontext gesetzt werden müssen. Ohne den Einsatz von künstlicher Intelligenz wird eine Bewältigung unmöglich sein.

Die Erwartungen an die durch die Daten gewonnenen Erkenntnisse sind hoch:

  • Prediktive Analysen sollen Mehrwert durch die Identifikation von Hochrisikopatienten und deren frühzeitige Behandlung generieren. Schon heute werden mittels des Verfahrens Ressourcenzuteilungen in Krankenhäusern optimiert und Entscheidungen in der Forschung und Entwicklung von Therapien in Life Sciences Unternehmen gestützt
  • Von personalisierter Medizin verspricht man sich eine neue Ära der Wirksamkeit und Verträglichkeit von Therapien. Profitieren sollen insbesondere chronisch Erkrankte und Personengruppen mit seltenen Erkrankungen, für die es heute oftmals keine Behandlung gibt.
  • Wertorientierte Gesundheitsversorgung (Value-Based Healthcare) soll den Fokus auf den Nutzen von Behandlungen verstärken und das System um nicht Wert bringende Elemente bereinigen. Durch Rückerstattungsmodelle (Reimbursement Models) soll das Investitionsrisiko von Kostenträgern reduziert und damit der Zugang von Patienten zu Therapien erhöht werden.

 

Trend 2: Von Healthcare zu Selfcare

Der Patient der Zukunft ist zentral am Management seiner Gesundheitsversorgung beteiligt. Über Wearables sammelt er Daten zu seiner Gesundheit, Mobile Health Apps sorgen per Fingertipp für aussagekräftige Trendkurven und über vernetzte Plattformen teilt er seine Daten mit seinem medizinischen Betreuungsteam. Bevor der Patient der Zukunft sein Haus in Richtung Spital verlässt, spricht er seine Symptome mit einem Health Bot durch – was den Arztbesuch in der Mehrheit der Fälle bereits überflüssig macht.

Denn der künstliche Assistent greift auf das Wissen von unzähligen Gesundheitsdatenbanken zu und verhilft ihm mit seinen selbstlernenden Algorithmen sicher zur Selbstdiagnose.

Auch seine Therapie kann der Mensch von morgen in vielen Fällen zu Hause durchführen. Digitale Helfer sorgen für elektronische Verschreibungen, erinnern ihn an Medikamenteneinnahmen und buchen ihm automatisch den nächsten Kontrolltermin beim Arzt.

Digital Health World Congress

 

Was sich nach Science Fiction anhört, ist in Teilen bereits Realität – wie die zahlreichen auf dem Kongress vorgestellten Beispiele zeigen.

 

Konnektivität als nächster Schritt

Bei allem Optimismus der Technologieanbieter: Spätestens in der Podiumsdiskussion wurde deutlich, dass der digitale Schatz zum grossen Teil noch gehoben werden muss. Der derzeitige Umsetzungsgrad der digitalen Möglichkeiten wurde von den Experten des Kongresses zwischen mageren zehn und wohlwollenden vierzig Prozent geschätzt. Als notwendiger nächster Schritt wurde die Konnektivität zwischen den Stakeholder-Gruppen ausgemacht – der Kreis muss geschlossen werden zwischen Patient, medizinischen und technologischen Dienstleistern und Kostenträgern. Für den Aufbau eines Healthcare-Eco-Systems fehlen heute jedoch nicht nur technologische wie prozedurale Standards, sondern auch ein Umdenken der beteiligten Gruppen. Erste Schritte sind gemacht, beispielsweise durch die zunehmende Integration von Patienten (Stichwort: patientenzentrische Versorgung) oder durch den Ausbau von Partnerschaften zwischen Spitälern, Life Sciences Firmen und Technologieunternehmen.

 

Fazit zum Kongress: Gerne wieder, aber mit mehr Diversität am Rednerpult

Der Digital Health World Congress ist einen Besuch wert – neben den kurzweiligen, aber selten kritisch ausgearbeiteten Keynote Speeches brachten insbesondere die Podiumsdiskussionen auch kontrovers zu diskutierende Punkte zur Sprache, wie die Validität von Health-Tracker-Daten, die Frage des tatsächlichen Reifegrads künstlicher Intelligenz sowie Bedenken betreffend des Schutzes von Patientendaten.

Wenig vertreten, und daher für den nächsten Kongress in der Rednerrolle erwünscht, waren Vertreter von Spitälern, Behörden und Kostenträgern. Nicht zuletzt sollte ausserdem die Gruppe gehört werden, um die sich, wie vielfach in den Vorträgen propagiert, letztendlich alles dreht: die Patienten selbst und ihre Anforderungen und Sorgen über die sich weiter technologisierende Gesundheitsversorgung. So wird dann auch der Kongress selbst ein gutes Vorbild für die nötige Konnektivität aller Gruppen, für die Fiktion schon jetzt Realität wird.

Sonja Fix

Digital Health World CongressAbbildung: Basierend auf „The creative destruction of medicine“ von Dr. Eric Topol


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