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Rob Stijlen
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Home | Newsletter | UPDATE 3 | 2017 | Digital Foundation – Digitale Geschäftsmodelle effizient entwickeln
23. Oktober 2017

Digital Foundation – Digitale Geschäftsmodelle effizient entwickeln

Digitale Services mit direktem Kontakt zum Patienten sind nur ein Zwischenschritt zum wirklich wertschöpfenden „Digital Business”. Dessen Nutzen ist zweifellos enorm, doch oft ist die praktische Implementierung noch unklar. Wie also gelangt die Innovation ins Unternehmen?

Die Grenzen zwischen der digitalen und physischen Welt verschwimmen und ebnen so den Weg für neue Geschäftsmodelle. Von einer Applikation, die dem Patienten Informationen rund um sein Medikament bietet, bis zur Diagnose durch eine Software mit künstlicher Intelligenz ist heute bereits alles technisch möglich. Von „Digitaler Transformation” ist dann die Rede, wenn durch den Einsatz neuer Technologie Mehrwert für den Kunden generiert und dadurch neue Einnahmequellen erschlossen werden. Dabei wird zwischen drei Ebenen unterschieden:

 

  • „Digital Business Models” bezeichnen umfassende digitale Geschäftsmodelle. Häufig gehen sie über Branchengrenzen hinaus und sind im Unternehmen auf höchster Ebene beim CEO, CIO oder CDO (Chief Digital Officer) angesiedelt. Im Zentrum stehen sogenannte „Digital Ecosystems”: Im Healthcarebereich versteht man unter „Digital Health Ecosystem” eine Vernetzung aller Stakeholdergruppen von Patienten über Forscher, Versicherungen, Behörden und Vertreter der Life Sciences Industrie bis zu Ärzten und Kliniken. Solche Plattformen erleichtern Forschern unter anderem die Akquise von Studienteilnehmern und bieten dem Patienten personalisierte Informationen und Interaktionen rund um seine Gesundheit wie beispielsweise Telehealth – über verschiedene Devices, überall und jederzeit.

 

  • „Digital Customer Engagement” fördert das Engagement des Patienten über verschiedene Kanäle hinweg und stärkt so die Kundenbindung. Diese Initiativen werden häufig von Sales und Marketing getrieben und sind insbesondere im OTC-und Generika-Markt interessant. So kann sich beispielsweise ein Hersteller von Diabetesstreifen durch eine Applikation mit Ernährungstipps für den Patienten von der Konkurrenz abheben.

 

  • „Digital Collaboration” hat das Ziel, ein Computing Environment aufzubauen, um flexibel auf Innovation zu reagieren und die „New Ways of Working” zu unterstützen. Häufig ist sie wesentliche interne Voraussetzung, um den Aufbau digitaler Geschäftsmodelle zu ermöglichen, beispielsweise eine cloudbasierte R&D-Collaboration-Management-Plattform.

 

„Quick” ist nicht immer „Win”

An der Schnittstelle zum Kunden ist Zeit ein kritischer Faktor. So verwundert es nicht, dass die ersten digitalen Produkte oftmals auf Initiativen von Marketing und Sales entstehen. Da die klassische IT der Life Sciences auf die Unterstützung der Kernprozesse ausgerichtet und auf Kosteneffizienz, Stabilität und Integrationsfähigkeit getrimmt ist, finden die endkundennahen Abteilungen in ihnen oft nicht die richtigen Partner. Für schnelle Erfolge im Digital Customer Engagement werden häufig spezialisierte Agenturen an Bord geholt. Diese liefern zwar innerhalb weniger Wochen funktionsfähige und innovative Applikationen – das allein reicht aber häufig nicht aus, denn Compliance und Support müssen ebenso sichergestellt werden.

 

Digital Foundation

 

Eine Applikation zu einem Arzneimittel kann je nach Funktionalität sogar ein Medizinprodukt darstellen und muss als solches registriert und zugelassen werden. Bei überstürzt gestarteten Projekten, die ausserhalb der Prozesse laufen, wird das mitunter vergessen.

Digital Foundation

 

In der Folge werden fertiggestellte Applikationen wieder eingestampft oder landen ohne Validierung und Endkundensupport auf dem Markt. Je nachdem, welche Informationen über das Produkt verwaltet werden, kann ausserdem der Patientendatenschutz zu kurz kommen oder Meldepflichten werden verletzt, beispielsweise im Fall Vigilanz-relevanter Daten.

Wie kann nun eine Lösung aussehen, die digitale Innovation im Unternehmen ohne Verlust von Qualität und Nachhaltigkeit unterstützt?

 

Digital Foundation – Digitales Fundament für Innovation

Das Schlüsselkriterium für eine erfolgreiche digitale Transformation ist ein tragfähiges organisatorisches und technologisches Fundament, eine Digital Foundation, die den Spagat zwischen den Bedürfnissen von agil und stabil schliesst.

Für den Aufbau dieser empfiehlt ARCONDIS drei wesentliche Schritte:

 

  1. Für jedes Projekt ist ein High Level Assessment (HLA) durchzuführen, um sicherzustellen, dass der geplante Umfang angemessen und die richtigen Stellen im Unternehmen, wie beispielsweise IT oder Quality, involviert werden. Nur so können der Invest gesichert und interne Ressourcen richtig und schlank eingesetzt werden. Im Zentrum des HLA stehen Fragen wie: Muss die Applikation validiert oder gar als Medizinprodukt zugelassen werden? Muss sie an Backendsysteme angebunden werden? Durch wen wird das Service Management sichergestellt?

 

  1. Parallel dazu braucht es für Innovation eine klare Governance, um nachhaltige digitale Geschäftsmodelle effizient zu entwickeln. Im Zentrum eines solchen Konzepts steht immer auch die Frage nach dem optimalen Setting zwischen CIO und CDO. In seltenen Fällen sind beide Rollen in einer Person vereint, häufig sind sie bewusst strikt getrennt. Ein Governance-Modell schafft die Grundlage für die gemeinsame Zusammenarbeit.

 

  1. Die Rolle der internen IT muss dabei klar definiert werden. Ziel ist nicht, die Betriebs-IT zur hochinnovativen Applikationsentwicklung umzugestalten. Dennoch sind Beteiligte auf neue Technologien und vor allem deren Integration zu trainieren. Wichtig sind dabei Themen wie Enterprise Architecture, Master Data Management, Data Integrity und Schnittstellen-Management, denn die Betriebs-IT kann hierbei in vielfältiger Hinsicht unterstützen: Sie kann Schnittstellen zu internen Systemen (ERP, CRM, MDM …) bereitstellen, eine Plattform für Applikationen und Schnittstellen anbieten oder bei Auswahl und Qualitätssicherung externer Partner (Agenturen, Entwickler …) unterstützen.

 

Vollständig digitale Geschäftsmodelle zu etablieren, dauert seine Zeit – es ist eine „Digital Journey” mit verschiedenen Ebenen: von der Digitalisierung interner Prozesse über den Aufbau von Collaboration Platforms bis zu Digital Engagement Models – und damit der vollständigen Durchdringung in Form von integrierten, digitalen Geschäftsmodellen. Mit einer soliden Digital Foundation wird der Weg für die Transformation geebnet.

Christian Baumgartner

 

 

„Wenn der Weg über die administrative IT mit Budgetanträgen und Formularen gepflastert ist, wird diese erfahrungsgemäss oft übergangen. Im Umgehen der Prozesse kann aber nicht die Lösung liegen – die internen Prozesse müssen für das Digital Business bereitgemacht werden.”

— Christian Baumgartner, Principal Consultant bei ARCONDIS Group


 

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