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Rob Stijlen
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Home | Newsletter | UPDATE 3 | 2017 | „Die Blockchain wird in der Life Sciences Industrie unverzichtbar“ Christian Unger im Interview
21. Oktober 2017

„Die Blockchain wird in der Life Sciences Industrie unverzichtbar“ Christian Unger im Interview

Im Kontext der fortschreitenden Digitalisierung nimmt die Blockchain einen immer grösseren Raum ein. Die Technologie wirkt wie ein massiver Reaktionsbeschleuniger, da Geschäftsmodelle und Transaktionen vollständig hinterfragt und womöglich grundlegend verändert werden können.

 

Blockchain für die Life Sciences Industrie - Christian Unger

 

Blockchain ermöglicht über verteilte Datenbanken und kryptografische Mechanismen eine unveränderliche und manipulationssichere Historie (Kette von Blocks) und damit Daten sowie Werte. Was erst einmal wenig spektakulär klingt, hat allerdings disruptiven Charakter. Denn während bislang oft Intermediäre wie Banken, Notare oder andere Trusted Third Parties nötig waren, ist künftig Verlass auf Daten und digitale Assets allein – zusätzlich können Zugang sowie Verbreitung gezielt bestimmt werden.

Mit mehr als 17 Jahren Erfahrung in der Technologieberatung von Life Sciences Konzernen ist Christian Unger, ARCONDIS Senior Manager und CFO, überzeugt, dass die Blockchain in der Branche nicht aufzuhalten ist.

Anlass genug für UPDATE von ihm im Interview mehr zu diesem brandaktuellen Thema zu erfahren:

 

Herr Unger, Sie sind der Meinung, dass Blockchain für die Life Sciences Industrie so umwälzend ist, wie die Ausbreitung des Internets. Obwohl heute noch kaum ein Thema, wieso messen Sie Blockchain eine so hohe Bedeutung bei?

In den nächsten fünf Jahren wird sich jedes Life Sciences Unternehmen – und ihre Wegbegleiter wie Insurance, Health und Politik – mit Blockchain auseinandersetzen müssen. Zum einen stehen wir vor einer neuen Generation von Daten‐ und Manipulationssicherheit. Zum anderen ist das disruptive Potential von Blockchain so hoch, dass womöglich das eigene Geschäftsmodell bedroht ist. Zu sehen am Beispiel Bitcoin: Für Geldgeschäfte sind die klassischen Banken schlichtweg nicht mehr nötig, wenn sich beide Parteien auf den Austausch von Bitcoins verständigen. Und auch in der Life Sciences wird es zu Umwälzungen kommen.

Mit weitreichenden Auswirkungen auf interne und externe Workflows in allen Bereichen – vor allem in den Compliance‐relevanten.

 

Wo konkret sehen Sie derzeit mögliche Auswirkungen – und was bringt es?

Im Ergebnis wird sich Blockchain auf nahezu alle Daten auswirken, es wird zum Standard. Als prägnanteste Anwendungsbereiche will ich entlang der Wertschöpfungskette einige nennen. In R&D kann Datenqualität sichergestellt werden und im Manufacturing wird Rezepturmanipulation ausgeschlossen und Komponentenoriginalität gewährleistet sein. In der Supply Chain basiert das Third Party Management auf sicheren Verträgen und wir haben ein absolut fälschungssicheres Track & Trace – was Compliance sicherstellt und eine verlässliche Serialisierung gewährleistet. Dort wird übrigens heute schon der greifbarste Nutzen gesehen. Und auch bei Vermarktung und Einsatz der Produkte bieten sich uns ein ganzes Füllhorn an neuen Möglichkeiten. Fälschungssichere Patientendaten (z. B. im Blockchain‐basierten Netzwerk „Patientory“) und ihr Austausch zwischen Arzt, Patient und Pharma‐ oder Medizinproduktehersteller ermöglichen zuverlässige Datenqualität, besseren Austausch und dadurch erfolgreichere Therapien.

 

Das klingt nach grossen Umwälzungen, wie können sich Life Sciences Unternehmen richtig positionieren?

Zweierlei Faktoren sind aus meiner Sicht wichtig. Erstens: Um angemessen nicht nur reagieren, sondern auch mitgestalten zu können, braucht es tiefes technisches Verständnis, Life Science spezifisches Prozesswissen und zeitgleich unternehmerisches Denken zur Neuerfindung aller transaktionsgetriebenen Wertschöpfungsschritte inklusive der Erschliessung neuer Wertschöpfungsmöglichkeiten. So gebündelt ist das Wissen in den Unternehmen aber in aller Regel nicht vorhanden – als Berater nehmen wir daher an dieser Stelle eine wichtige Position als Sparringpartner ein und begleiten von Anfang der Konzeption bis hinein in die weit verzweigte Umsetzung. Und zweitens muss der richtige Zeitpunkt erkannt werden – die grossen Pharmas sind schon jeher Early Adopter, aber Blockchain wird nochmals ein neues Denken erfordern. Daten und Transaktionen automatisiert nutzen zu können wird in der Zukunft ein Wettbewerbsvorteil darstellen. Daher lohnt sich eine rechtzeitige Weichenstellung, um keine Zeit zu verlieren und gerüstet zu sein.

 

Blockchain für die Life Sciences Industrie

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