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Daniel Flossbach
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8. Oktober 2019

„Ziel ist die Vernetzung aller Beteiligten im Gesundheitssektor“ – Mark Dangel im Interview

Im Interview mit der Basler Zeitung berichtet Mark Dangel, ARCONDIS Senior Manager, von aktuellen digitalen Trends und gibt seine Einschätzung zur Zukunft der Life Sciences Industrie. Sie finden das vollständige Interview (vgl. Seite 15) sowie weitere spannende Artikel rund um die Branche in der Sonderausgabe „Life Sciences“ vom 6. September 2019.

Herr Dangel, was sind aus Ihrer Sicht die relevanten digitalen Trends in den Life Sciences und wie lassen sich diese in der Praxis einsetzen?

Das erklärte Ziel der Digitalen Transformation ist die ganzheitliche Vernetzung aller Beteiligten. Zentraler Bestandteil hierfür ist das Elektronische Patientendossier (EPD). Durch seine vielseitigen Einsatzmöglichkeiten legt es den Grundstein für modernste Technologien und wird in einer finanziellen Entlastung für den Gesundheitssektor resultieren. Beispielsweise kann anhand historischer Daten im EPD – durch Wearables, Diagnosen und weitere digitalen Biomarker – in Zukunft ein digitaler Zwilling des Patienten erstellt und für die Präzisions- und Präventivmedizin genutzt werden. Auch kann das EPD Probanden für klinische Studien effizienter identifizieren und die Forschung durch Real World Evidence im Bereich seltener Krankheiten unterstützen. Natürlich immer unter Berücksichtigung des Datenschutzes.

Im Bereich des Value Based Pricing sind die gesammelten Informationen ebenfalls von zentraler Bedeutung. Ich bin überzeugt, Krankenkassen und Patienten werden bestimmte Medikamente in naher Zukunft nur bezahlen, wenn der entsprechende Mehrwert eintritt. Technisch ist dies mit Smart Contracts, die bei Erfüllung bestimmter Bedingungen automatisiert die Zahlung auslösen, jetzt schon möglich.

Auch Künstliche Intelligenz wird im Gesundheitswesen eine zunehmende Rolle spielen. Heute schon sind in der Radiologie Analysen von Röntgenbildern durch die Verwendung von Machine Learning ebenso präzise oder gar besser als die von Ärzten. Dies wird den Arzt nicht ersetzen, da dieser Analyseergebnisse mittels weiterer Untersuchungen, z. B. Abtasten, abgleicht, aber es wird den Arbeitsalltag erleichtern.

Und was zu Teilen schon in der Praxis umgesetzt wurde: Die Telemedizin wird sich weiter ausbreiten. Das entlastest speziell den Pflegesektor und die Patientennachsorge, spart Reisezeit und Kosten und erlaubt dem Arzt, sich mehr Zeit für seine Patienten zu nehmen.

Sie haben angedeutet, dass die Beteiligten künftig direkter interagieren. Wie sieht dieses Zusammenspiel von Versicherern, Spitälern und Herstellern aus?

Durch neue Technologien und dem damit einhergehenden hohen Grad an Vernetzung verschwimmen die Branchengrenzen im gesamten Gesundheitssektor in der Tat immer mehr. Zukünftig könnte medizinische Software, auch in Form mobiler Gesundheitsapps, von Krankenkassen zur Verfügung gestellt werden, um die Lebensfunktionen des Versicherten zu messen und damit beispielsweise Diagnosen zu stellen oder gar selbständig den Notarzt zu rufen.

 

Interview mit Mark Dangel

Foto: Mark Dangel

 

Insbesondere der 3‑D-Druck bringt disruptive Auswirkungen mit sich. Bei der additiven Herstellung von Implantaten oder Medikamenten wird die traditionelle Lieferkette nicht mehr benötigt, denn es wird direkt in der Apotheke, dem Spital und der Arztpraxis on demand und patientenspezifisch produziert. Der eigentliche Pharma- oder Medizinproduktehersteller verantwortet weiterhin Forschung, Entwicklung und Design, liefert aber statt des fertigen Produkts die Blaupause und das Rohmaterial.

Wie können sich Unternehmen insbesondere im Hinblick auf Compliance und Datenschutz optimal auf digitale Trends vorbereiten?

Im Prinzip gibt es zwei wesentliche Baustellen. Zum einen das Datenmanagement: Nur weil Informationen vorhanden sind, bedeutet das nicht, dass sie auswertbar sind. Hier braucht es semantische Konzepte zum Umgang mit Daten sowie die Möglichkeit, Daten zu strukturieren. Zweitens, und hier kommt die Compliance ins Spiel: Datensicherheit und ‑integrität. Dabei geht es nicht nur externe Angriffe, sondern auch um zu freizügig verteilte interne Zugangsberechtigungen, wie der Fall eines Spitals zeigt, welches daher zu nennenswerter Geldstrafe verurteilt wurde.

Den grössten Handlungsbedarf sehe ich jedoch bei der Manipulation von intelligenten Implantaten, wie beispielsweise Bluetooth-gesteuerte Insulinpumpen mit eigenständiger Messung und Dosiskalkulation. Unautorisierter Zugriff ist derzeit noch zu einfach und eine falsche Dosierung kann tödlich sein. Hier sind die Hersteller gefordert, die IT-Sicherheit und damit den Patientenschutz schleunigst mit Security by Design zu erhöhen. Das ist machbar, muss aber auf der Agenda stehen.

 

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