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REACh - Herausforderung für die europäische Industrie

Mit dem Beschluss des europäischen Parlaments im Dezember 2006 ist eine der umfangreichsten und ehrgeizigsten Initativen in der Geschichte der EU als Gesetzgebung in Kraft getreten: REACh. Die Abkürzung REACh steht für die Registrierung, Evaluation und Autorisierung von Chemikalien. „Chemikalien“ – das betrifft uns sicher nicht denken zurzeit viele Unternehmen. Dieses Akronym ist jedoch irreführend, REACh betrifft entgegen der ersten Vermutung nicht nur die chemische Industrie sondern auch  klein- und mittelständische Unternehmen, die Stoffe aus der Chemiebranche weiterverarbeiten. Das Ziel von REACh besteht in der Gewährleistung des sicheren und verantwortungsvollen Umgangs mit Stoffen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Alle Güter die in der EU produziert und  weiterverarbeitet  oder in die EU importiert werden unterliegen dieser neuen Verordnung.

Die Einführung dieses neuen Gesetzes bedeutet im Detail die komplette Beweislastumkehr für die sichere Handhabung von Chemikalien innerhalb der europäischen Union.  Nach dem Leitsatz „No Data – No Market“ wird die Verantwortung von den Zulassungsbehörden auf die Industrie übertragen. Spezielle Risiken im Umgang mit einem Stoff müssen von einem Unternehmen selbst erkannt und umfassend beschrieben werden. Weiterführend muss in Zusammenarbeit mit dem Endbenutzer der Umgang und der Einsatzbereich eines Stoffes detailiert ausgearbeitet werden. Kein Stoff darf dann eine andere Verwendung als die vorher festgelegte finden.

In den Umsetzungsprozess sind verschiedene Akteure involviert. Neben den einzelnen Unternehmen welche Ihre Stoffe registrieren, zählt dazu die neue zentrale Agentur für die Bewertung und Freigabe der Stoffe mit Sitz in Helsinki.  Die Aufgabe der Firmen besteht darin die gesammelten Registrierungsinformationen in elektronischer Form an diese Agentur zu übermitteln. Der wichtigste Erfolgsfaktor für eine erfolgreiche Registrierung und Evaluation ist der komplette Datensatz eines Stoffes, dazu gehört neben den Stoffbestandteilen und deren Risiken explizit der Verwendungszweck. Um die verschiedenen Verwendungszwecke zu bestimmen ist eine sehr intensive Kommunikation zwischen Lieferanten in Form von Herstellern und Importeuren  und Kunden(„nachgeschaltete Anwender“) entlang der Wertschöpfungskette notwendig.  Die ermittelten Daten werden von der Agentur dann als Grundlage für die Bewertung und Freigabe verwendet. Nach einer erfolgreichen Registrierung müssen diese Daten von der Agentur dann so aufbereitet werden, dass diese dazu dienen der Öffentlichkeit die Verwendung und Gefährdungen von Chemikalien transparent zu machen.  

Da der gesamte Einführungsprozess sehr zeit- und ressourcenintensiv ist, wurde er in 3 mengenabhängige Phasen unterteilt.  Diese erstrecken sich über mehr als ein Jahrzehnt. Um diesen schrittweisen Einstieg durchzuführen ist es notwendig die Stoffe in der sogenannten Vorregistrierung zu melden.  Wer die Vorregistrierung versäumt darf den Stoff bis zum Abschluss der zugehörigen Registrierungsphase nicht herstellen oder auf den Markt bringen!

Abbildung 1: REACh Umsetzungszeitplan 
Quelle: Broschüre des Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft

Das Inkrafttreten von REACh fordert besonders die IT-Abteilungen in den Unternehmen. Eine funktionierende Infrastruktur ist die essentielle Grundlage für die Erkennung und Informationsermittlung von registrierungspflichtigen Stoffen.  Ohne die Analyse in welchem Gut welcher Stoff in welcher Menge verwendet wird ist ein reibungsloser Ablauf nicht umsetzbar. Es muss eine in die bisherige IT-Architektur integrierte Lösung bereitgestellt werden die Schnittstellen zu Systemen wie ERP, Manufactoring und Product Development schafft um benötigte Daten an ihrem Ursprung zu ermitteln. Die Entwicklung dieser Lösungen wird die größte Herausforderung für einzelne Unternehmen werden. Der hohe administrative und strategische Aufwand fordert eine umfassende Planung. Eine Unterstützung stellen hier die Implementierungshilfen der REACh-Agentur und kompetente externe Dienstleister dar.

Ausblick
Entgegen dem ersten Eindruck, dass REACh aufgrund seiner umfangreichen Aufgaben einzig eine Belastung darstellt, bietet es doch viel Potential. Durch das gemeinsame Ziehen an einem Strang wird die Umsetzung dieser Verordnung es ermöglichen das Image der chemischen Industrie aufzuwerten und das Vertrauen zu steigern. REACh sollte als eine Chance verstanden werden sich selbst zu vermarkten und  aus dem Feld der Wettbewerber hervorzustechen. Die frühe Einführung eines integrierten und effektiven Stoffmanagements wird die Gelegenheit bieten, Ihre Position als Hersteller, Zulieferer oder Importeur wesentlich zu festigen und neue Kunden auf sich aufmerksam zu machen.

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NewsFlash Nov 2011

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